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  • petrapaul

Stille Beisetzung im engsten Familienkreis

Aktualisiert: 31. März 2021


In Corona-Zeiten ist die Zahl der erlaubten Trauergäste begrenzt. Trotzdem empfiehlt es sich, die Beerdigung nicht zu verschieben. Tun sie dies, laden sich die Angehörigen eine Pendenz für später auf und blockieren den eigenen Trauerprozess. Statt die Beerdigung zu verschieben, empfehle ich ein Ritual im kleinen Rahmen mit direkter Übertragung per Zoom für einen größeren Personenkreis, eine Aufzeichnung per Video oder die Aussicht auf eine spätere Trauerfeier, zum Beispiel nach sechs Monaten.

Auch in sogenannt normalen Zeiten setze ich ein Fragezeichen hinter den Wunsch nach einer stillen Bestattung im engsten Familienkreis. Jeder Mensch hat seine Geschichte gelebt und andere Menschen damit berührt. Die Abschiedsfeier ist eine einmalige Gelegenheit, diese Geschichte zu ehren und zu würdigen, die dadurch breitere (und damit realistischere) Konturen und eine nachhaltige Existenz bekommt. In dieser Geschichte sind die Hinterbliebenen mit ihrer ganz eigenen Beziehung zum Verstorbenen verbunden, die ihnen wiederum Halt in ihrer eigenen Trauer geben kann.

Der Verstorbene "gehört" nicht nur zu seiner unmittelbaren Familie, wer auch immer das sein mag. Er oder sie hat neben der Blutsverwandtschaft auch andere Verbindungen geknüpft, für die er/sie ebenfalls in Erinnerung bleiben möchte. Es ist heilsam, wenn alle, die dies wünschen, am Grab Abschied nehmen dürfen und ihre eigenen Erinnerungen sowie Hoffnungsbilder verankern können. Auch wenn aufgrund der Umstände (tragische oder vorzeitige Todesursache) die Worte fehlen, ist es hilfreich, die eigene Sprachlosigkeit zu benennen und gerade dadurch ein Stück weit zu überwinden. Dies schafft eine spürbare Präsenz und zwischenmenschliche Nähe.

Ist ein solcher gemeinsamer Resonanzraum einmal geschaffen, stört es nicht mehr, wenn der Sarg oder die Urne nach einem stummen Nicken vom Friedhofsgärtner beigesetzt wird. Im Gegenteil: Die respektvolle Stille, die diesen letzten Akt des Abschieds begleitet, drückt die einzigartige Intimität des Augenblicks aus, eingebettet in das große Geheimnis des Lebens, das die einen vielleicht Gott und die anderen Natur nennen mögen.




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